Schafe werden zu kleinen Wölfen


Aichacher Taekwondostudio auf Zweikampflehrgang in Altdorf

Am 21.02.2015 machten sich 14 Sportler des Aichacher Taekwondostudios, davon fünf Erwachsene und neun Kinder mit ihrem Trainer Andreas Fischer auf den Weg nach Altdorf bei Nürnberg und hatten nach eineinhalb Stunden Autofahrt das Ziel erreicht: Der Breitensportlehrgang für den Bereich Zweikampf.

In diesem eintägigen Trainingsprogramm sollte den Sportlern, die oft noch nicht so viel Wettkampferfahrung hatten, der Zweikampf im Taekwondo näher gebracht werden. Denn neben den Bereichen Formenlauf, Einschrittkampf und Selbstverteidigung, die in unserem Verein einen großen Teil der Trainingszeit beanspruchen, ist der Zweikampf ein weiterer wichtiger Teil des Taekwondos. Hierbei wird neben Schnelligkeit und Reaktion auch die Konzentration und Ausdauer trainiert. Unsaubere Abwehrtechniken oder langsame Angriffe führen dazu, dass der Gegner schneller ist und gegen uns punkten kann.

Das mussten wir, die ihren Fokus eher auf die Formen, Einschrittkampf und Selbstverteidigung legten, erst lernen. Gerade die Mädchen, unter anderem auch ich, hatten gewisse Hemmungen, den Gegner zu treffen. Im ersten Moment wollten wir dem Gegenüber doch nicht wehtun. Doch auch wir, die braven, zurückhaltenden „Schäfchen“, haben nach einiger Zeit kapiert, dass man durch die Schutzausrüstung, die Arm- und Beinschutz enthält, aber auch Helm und Weste umfasst, nicht viel spürt. Schließlich geht es im Zweikampf nicht darum, den anderen K.O. zu schlagen, sondern möglichst viele Treffer zu setzen und dadurch Punkte einzuheimsen. Außerdem ist der respektvolle Umgang mit dem Partner ein wichtiger Part des Wettkampfs.

Der erste Teil des Lehrgangs bestand aus Aufwärmübungen und Grundtechniken, die im Wettkampf gebraucht werden. Georg Streif, Olympiamedaillencoach und Vizepräsident im Bereich Wettkampf, führte uns langsam mit Tipps und Tricks an den lockeren Zweikampf heran. Auch die Mädchen entdeckten Gefallen an den trickreichen Techniken und trauten sich, richtig auf die Westen zu treffen. Mit dem Punkten ist das nämlich so eine Sache: Nur wenn die Kampfrichter die Schläge genau ausmachen können gibt es einen Punkt. Eine andere Möglichkeit zum Bewerten ist die elektronische Weste. Sie zählt die Berührungen und registriert ab einer bestimmten Stärke einen Punkt. Durch leichtes Berühren und Streifen kommt man da zu keinem Sieg.

Ein besonderer Fokus wurde auf den Zweikampfteil bei den Gürtelprüfungen gelegt, denn in einer Prüfung werden die Fähigkeiten aus allen Bereichen des Taekwondos abgeprüft. Da ist es gerade für uns „Schäfchen“ wichtig, auch die Grundkompetenzen im Wettkampf zu erwerben und parat zu haben.

Nach einer kurzen Verschnaufpause gegen Mittag, erklärte uns in einem kurzen Theorieteil der zweite Referent des Tages Abdullah Ünlübay, 5. Dan und Kampfrichterobmann der BTU, die wichtigsten Regeln der Wettkampfordnung. Ohne Regeln gäbe es ein Chaos auf der Kampffläche. So ist es zum Beispiel verboten, mit der Faust ins Gesicht zu schlagen, oder dem Gegner einen Tritt ins Schienbein und zwischen die Beine zu verpassen. Auch der Rücken ist tabu.

Im Praxisteil trainierten wir dann Standardangriffe und die dazugehörigen Abwehrtechniken bzw. Gegenangriffe. Nach einiger Zeit kamen sogar die kleinen Wölfe in uns hervor, die den Ehrgeiz entwickelten, alle möglichen Punkte einzusammeln. Da dies aber ein Lehrgang und keine Meisterschaft war, wurden die Punkte nicht gezählt. Trotzdem war es immer ein gutes Gefühl zu wissen, wenn man gepunktet hatte. Alle, auch die jüngeren Teilnehmer entwickelten ein Gefühl für ihren Gegner und konnten so viel Lehrreiches aus dem Lehrgang mitnehmen.

Doch nicht nur der Körper wurde geschult, sondern auch die Köpfe rauchten bei manch einer Übung. Die Koordination von Armen und Beinen, Blöcken, Faustschlägen und Kicks war oft nicht zu unterschätzen.

Am Ende wurden wir noch an unsere körperlichen Grenzen gebracht, indem ein Ausdauerlauf mit einer Kombination aus verschiedenen Kicks stattfand. Dabei ging auch manch ein Wolf (erfahrener Wettkämpfer) mental an seine Grenzen.

Zurück in den Umkleiden gab es schon sehr viel positive Resonanz für den Lehrgang und die Referenten.

Auch aus meiner Sicht war der Tag eine runde Sache. Trotz starkem Muskelkater und ein paar blauen Flecken, bereue ich es nicht, mitgefahren zu sein. Irgendwann muss aus jedem kleinen Schäfchen ein Wolf werden, der sich traut seine Meinung zu vertreten und in seinem Interesse zu handeln. Ich denke, dass ich nicht die Einzige bin, die durch dem Lehrgang dem „Wolfsein“ wieder ein Stück näher gekommen ist.

Alina Greve, 24.02.2015